Hühnerhaltung boomt. Immer mehr Menschen finden Gefallen daran selbst Hühner zu halten, einerseits wegen Eier und Fleisch, anderseits aber auch wegen dem Tier selbst. Klar ist, das dieser Trend auch an der Stadtgrenze nicht halt macht und deshalb halten immer mehr Städter Hühner im eigenen Stadtgarten. Wachteln werden mittlerweile sogar auf Balkonen in Hasenkäfigen gehalten. Für Städter ohne Garten oder Balkon gibt es noch die Möglichkeit sogenannter Tierpatenschaften. Näheres dazu im Video oben.

Rechtlich überhaupt erlaubt?

Achtung: Der nachfolgende Artikel bezieht sich auf die Gesetzeslage in Österreich. Auch wenn es viele Überschneidungen mit anderen europäischen Gesetzen gibt, bitten wir dich die genaue Gesetzeslage für dein Land zu recherchieren.

Vor allem in der Stadt wirft die Hühnerhaltung nachbarschaftsrechtliche Fragen auf, die in den meisten Fällen dann doch zu den Eiern im Supermarkt führen. Laut §4 des österreichischem Tierschutzgesetzes zählt Hausgeflügel (wozu Hühner zweifelsfrei dazugehören) zu den Haustieren. (Achtung: Sollten die Hühner jedoch vorwiegend zur Produktion von tierischen Erzeugnissen (Eier & Fleisch) gehalten werden, zählen sie als Nutztier! Dies ist jedoch eine Frage der Beweisführung, also sofern du deine Eier nicht in großen Stückzahlen verkaufst wird nichts passieren.) Somit ist die Haltung von Hühnern prinzipiell auch in der Stadt gestattet. Sollte in deinem Miet- bzw. Pachtvertrag die Haltung von Haustieren untersagt sein, so kann ich dich beruhigen, der Oberste Gerichtshof hat vor einigen Jahren diese Klausel gekippt. Sofern ein Tier nicht für erheblichen Lärm, Geruch oder Verschmutzung sorgt, kannst du nicht gekündigt werden.

Nachbarschaftsrecht

Genau diese drei Punkte führen uns weiter zum Nachbarschaftsrecht: Denn prinzipiell entsteht durch Lärm und Geruch ein Unterlassungs- und Beseitigungsanspruch für deine Nachbarn. Ausgenommen sind Zumutbarkeit (darunter fallen jedoch eher kurzfristige Beeinträchtigungen wie das Grillen) und Ortsüblichkeit (diese wird in Städten wie Wien jedoch eher nicht gegeben sein 😉 ).

Die Stadt der Zukunft? - Hühner und Bäume am Balkon

Die Stadt der Zukunft? – Nutztiere und ganze Gärten am Balkon?

Hühnerhaltung am Balkon ist dadurch schwer möglich, da es eben sehr schnell zu einer der oben genannten Beeinträchtigungen kommt. In einem Garten am Stadtrand sieht es hingegen schon komplett anders aus.

Solltest du zu den glücklichen Städtern gehören die einen kleinen (Schreber)garten besitzen beginnt für dich der Behördenlauf. Die Stadt Wien zum Beispiel wünscht sich innerhalb von sieben Tagen folgende Angaben: Vorname und Nachname, Geburtsdatum des Tierhalters/der Tierhalterin, Meldeadresse, Adresse der Tierhaltung, Telefon/Faxnummer, E-Mail Adresse und die Anzahl und die Art der gehaltenen Tiere. Beim Geflügel ist zusätzlich anzugeben, ob die Tiere im Freien gehalten werden. Danach muss der Amtstierarzt auch noch bestätigen ob du „mit Tieren umgehen und sie betreuen kannst“.

Unabhängig aller Gesetze und egal ob am Land oder in der Stadt sollte deine Haltung aber vor allem eines sein: Artgerecht.


Die Studentin Yamuna Valenta hält seit einigen Jahren im Wiener Gemeindebau Hühner auf ihrem Balkon. Mehr erfahren.

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