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How To Speak Chicken

Rezension zu „How To Speak Chicken“ von Melissa Caughey

Hühner sind dumme Vögel. Die sind eh nur den ganzen Tag am Fressen. Hühner können nichts außer Eier legen und Fleisch bringen. – Wie falsch derartige Aussagen sind, zeigt Melissa Caughey in ihrem faszinierenden und erfrischend anderen Buch. Wer nach einem Standardwerk über Hühnerhaltung sucht, wird hier nicht fündig. Die Autorin bietet etwas viel Außergewöhnlicheres: Sie gibt Einblicke in die Kommunikationsweisen der Hühner. So ermutigt sie die Leser*innen, die eigenen Hühner zu beobachten, sie zu verstehen, die „Sprache“ der Hühner zu lernen und vielleicht sogar Teil der Herde zu werden. Caughey liefert Informationen zu Körpersprache, Verhaltensweisen, Intelligenz und Gefühlen der besonderen Tiere. Sie möchte in ihrem Buch nicht nur Wissen, sondern auch Wertschätzung vermitteln. Ich bin sicher, nicht die Einzige zu sein, die nach dem Lesen dieses spannenden Werks Haushühner mit völlig anderen Augen sieht.

Inhalt und Aufbau

Wie Hühner sprechen

In ihrem ersten Kapitel widmet sich die Autorin allgemein der „Sprache“ der Hühner. Hier gibt sie Einblicke in die Kommunikation der Tiere über Körpersprache und Laute. Beginnend mit der „Babysprache“ der Küken werden unterschiedliche Kommunikationssignale der Hühner im Laufe ihres Lebens vorgestellt. In übersichtlichen „Vokabellisten“ erklärt Caughey die Bedeutungen bestimmter Piepser, Krähgeräusche oder „Lieder“. Auf grafisch anders gestalteten Seiten finden sich außerdem kurze Geschichten der Autorin über ihre eigenen Erfahrungen mit ihrer Herde. Diese Einblicke sind nicht nur unterhaltsam zu lesen. Sie geben Halter*innen auch ein beispielhaftes Bild von einem möglichen Beziehungsaufbau zu den eigenen Tieren.

So schildert Caughey zum Beispiel, wie sie begonnen hat, die Laute ihrer Herde nachzuahmen und über diese Hühnersprache mit ihren Hühnern kommunizieren konnte. Besonders fasziniert hat mich persönlich, dass die Autorin beschreibt, immer einen gewissen Laut von ihren Hühnern gehört zu haben, den sie zunächst nicht identifizieren konnte. Erst später stellte sie fest, dass es sich um ihren eigenen Namen in Hühnersprache handelte. Diesen äußerten ihre Tiere stets, wenn sie sich beispielsweise näherte.

Verhalten der Hühner

Hilfreich sind sicherlich auch die praktischen Tipps, die unter anderem zum erfolgreichen Beobachten der eigenen Hühnerherde gegeben werden. Auch häufige Verhaltensweisen wie zum Beispiel das Brüten werden im ersten Abschnitt des Buches umfangreich erklärt. Besonders interessant zu lesen sind zudem die Porträts ausgewählter Hühnerhalter*innen am Ende jedes Kapitels. Hier finden sich witzige Geschichten und berührende Gedanken über die außergewöhnlichen Tiere.

Im zweiten Kapitel des Buches beschreibt die Autorin Wissenswertes über soziale Verhaltensweisen und das Zusammenleben von Hühnern. Was hat es eigentlich mit der Hackordnung auf sich? Und wie werden die Hierarchien innerhalb der Herde festgelegt? – Caughey beantwortet diese Fragen mit aktuellen wissenschaftlichen und auf Erfahrung beruhenden Informationen in einem leicht verständlichen Stil. Als kleiner Zusatz finden sich einige Seiten über die Geschichte des Haushuhns.

Der nächste Abschnitt befasst sich allgemein mit den überraschenden Fähigkeiten von Hühnern. Hier führt Caughey ihre Leser*innen von erstaunlichen Hühnerfakten zu den Sinnesleitungen der Tiere bis zu der Frage, wovon Hühner träumen. Spannend erscheint zudem der Teil über die Entwicklung des Kükens im Ei. Mit einer Übersicht und Grafiken wird das Wachstum des Nachwuchses so anschaulich vermittelt.

Intelligenz? Gefühle?

Im vierten Kapitel macht die Autorin die Intelligenz der Hühner zum Thema. Intelligenz? Bei Hühnern? Ja, richtig gehört. Dass Hühner keineswegs dumm sind, scheint mittlerweile weithin bekannt zu sein. Doch wer hätte gedacht, dass Hühner etwa mathematische Fähigkeiten besitzen? Und dass sie zum Beispiel geometrische Formen unterscheiden können? Caughey stellt hier verschiedenste Experimente vor, mit denen die beeindruckenden kognitiven Fähigkeiten der schlauen Tiere gezeigt werden konnten. Wer dieses Kapitel gelesen hat, wird bestimmt nie mehr von „dummen Vögeln“ sprechen. Halter*innen werden sich in diesem Abschnitt besonders über die Tipps freuen, wie die eigenen Hühner mit dem Erlernen von Tricks gefordert werden können.

Das abschließende Kapitel widmet Caughey dem Gefühlsleben der Hühner. Sie gibt Einblicke in das Innenleben der Tiere und zeigt auch hier auf, wie sehr diese Tiere von vielen Menschen unterschätzt werden. In diesem Teil wird deutlich, dass Hühner mitfühlend sind, Trauer empfinden, Traumata erleben und dass sie lieben können. Mit der Schilderung berührender Erlebnisse und eigener Erfahrungen zeichnet die Autorin ein Bild der Tiere als empfindungsfähige Wesen, die untereinander, aber auch zu Menschen eine enge Beziehung aufbauen können.

Gestaltung und Gliederung

Dieses Buch ist kein Lexikon oder Nachschlagewerk über Hühnerhaltung oder Allgemeines zum Huhn. Es ist ein Werk zum Durchlesen, Staunen und Lernen von Wertschätzung für diese Tiere. Einen groben Überblick über die Inhalte bietet das Inhaltsverzeichnis. Dass dies aber kein Buch zum Nachschlagen von Informationen ist, wird bald deutlich: Die Themen sind in den Kapiteln zwar nachvollziehbar geordnet. Häufig werden aber gewisse Themen eingestreut oder Seiten mit Zusatzinfos hinzugefügt. Es handelt sich jedenfalls um ein Buch, das Leser*innen von vorne bis hinten durchlesen sollen und dies bestimmt auch gerne tun werden. Ich selbst konnte das Werk, nachdem ich begonnen hatte zu lesen, nicht mehr aus der Hand legen.

Gestaltet ist „How to speak Chicken“ sehr bunt und ansprechend. Es findet sich recht wenig Text auf den einzelnen Seiten, was das Lesen sehr angenehm macht. Die Überschriften stechen hervor und sind durch die bunten Farben leicht zu erkennen. Besondere Freude bereiten zudem die zahlreichen schönen und teils witzigen Fotos und Grafiken, die die Informationen verdeutlichen. Teilweise finden sich auch ganzseitige Fotografien. So etwa am Anfang jedes neuen Kapitels, was die Orientierung innerhalb des Werkes erleichtert. Als interessant und übersichtlich habe ich zudem die Aufzählungen und „Vokabellisten“ empfunden, die immer wieder eingestreut werden.

Insgesamt lädt die bunte und hübsche Gestaltung der Seiten auf jeden Fall zum Durchblättern und Lesen dieses interessanten Buches ein. Der recht freie und kreative Stil des Layouts korreliert mit der lockeren, leicht verständlichen sprachlichen Ausdrucksform, in der die Autorin die Informationen präsentiert.

Fazit

Geeignet ist dieses interessant aufbereitete und leicht lesbare Buch nicht nur für angehende, bereits erfahrene Hühnerhalter*innen oder Hühnerliebhaber*innen. Es ist ein Buch, das jeder und jede lesen sollte, denn es ermöglicht eine völlig neue Perspektive auf unsere Haushühner. Wer diese Tiere als feinfühlige und intelligente Wesen begreift, kann sie nicht mehr als namenlose, billige Ware sehen, die lediglich der Fleisch- oder Eierproduktion dient. Halter*innen kann „How to speak Chicken“ dabei helfen, ihre Tiere besser zu verstehen. Und vielleicht finden sie so einen Weg, um mit ihnen zu kommunizieren und eine Beziehung zu ihnen aufzubauen. Abschließend lässt sich also sagen, dass Caughey eines mit ihrem Werk geschafft hat: Aufzuzeigen, dass Hühner faszinierende und beeindruckende Tiere sind, die unseren Schutz und unsere Wertschätzung verdienen.

Titel: How to Speak Chicken: Warum Ihre Hühner tun, was sie tun, und sagen, was sie sagen

Autorin: Melissa Caughey

Auflage: 1. Auflage

Verlag: Haupt


Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Das Rezensionsexemplar wurde vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Von Sophie

Hallo! Mein Name ist Sophie und ich bin Studentin in Wien. Wenn ich nicht gerade lese oder Texte schreibe, verbringe ich am liebsten Zeit mit Tieren und in der Natur. Warum also nicht diese beiden Hobbys verbinden? Genau das tue ich hiermit. Hier kann ich meine Gedanken über artgerechte Tierhaltung weitergeben, die mir sehr am Herzen liegt. Schon als kleines Kind und während meiner Schulzeit trat ich für die Rechte von Tieren ein. Meine Abschlussarbeit in der Schule schrieb ich über Tierethik und seit vielen Jahren kommt kein Fleisch auf meinen Teller. Ich bin stolze Besitzerin von zwei aufgeweckten Zwergkaninchen und hoffe, bald endlich auch Hühner im eigenen Garten halten zu können – bis dahin teile ich hier meine Begeisterung für diese faszinierenden Tiere.

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