Titel: Aufs Huhn gekommen – Von glücklichen Hühnern und eigenen Bio-Eiern

Auflage: 1. Auflage

Autor/in: Roland Wiedenmann

Verlag: Kosmos

Wiedenmanns „Aufs Huhn gekommen“ wirkt auf den ersten Blick wie eines von vielen Büchern, welches Neulingen die Hühnerhaltung näherbringen will. Doch schon die kurze Zusammenfassung auf der Rückseite des Buches ändert diese Ansicht sogleich. „Aufs Huhn gekommen“ ist eine Mischung aus der eigenen Geschichte des Autoren mit seinen Hühnern und allgemeinen Informationen zur Hühnerhaltung selbst. Von Anfang an ist also klar, dass Wiedenmanns Buch anders ist.

Aufs Huhn gekommen InnenansichtDas Inhaltsverzeichnis ist einfach und übersichtlich aufgebaut, wenn auch die Auswahl zwischen was als Kapitelüberschrift und was als Beiname für das Kapitel gilt, manchmal etwas wahllos und unnachvollziehbar erscheint. So gibt es Kapitel wie „Verständigung unter Hühnern“ mit dem lieben Beinamen „Gakeln, gackern, knurren“, der durchaus logisch erscheint. Dann gibt es aber auch Kapitel wie „Vollendete Sklaven“ mit dem Beinamen „Die Beziehung zwischen Mensch und Huhn“. Meiner Meinung nach gehörte das genau umgekehrt. Denn wer käme schon darauf unter einem Kapitel mit dem Namen „Vollendete Sklaven“ mehr über die Beziehung von Huhn und Mensch zu erfahren? (Auch wenn der Autor bei dieser Kapitelüberschrift sich auf einen anderen Autoren bezieht und die Bezeichnung „vollendete Sklaven“ als unpassend hinstellt). Gut ist also, dass der Beiname der Kapitel  auch im Inhaltsverzeichnis aufscheint.

Das Vorwort, welches der Autor sich wehrt als Vorwort zu bezeichnen, jedoch alle Merkmale eines solchen aufweist, führt einen in die Geschichte des Autoren und seiner Hühner ein. Er erzählt von seinem Werdegang (und dem seiner Familie) von dem Besitz eines kleinen Hamstern zu einer Schar an Hühnern.

Darauf folgt, was ich als Vorwort 2.0 bezeichne, die Vorstellung der Hühnerfamilie Wiedenmanns. Er stellt jedes Huhn einzeln vor, samt Eigenheiten, Persönlichkeit und hübschen Bildern. Was mich persönlich nicht nur sehr amüsierte, sondern auch begeisterte. Dabei sei zu erwähnen, dass ein wichtiger Punkt für Wiedenmann ist, dass der Mensch versteht, dass Hühner genauso unterschiedliche Charaktere aufweisen, wie Hund und Katz.

Zu den Bildern generell ist zu sagen, dass die Fotos als Familienfotos niedlich und lieb anzusehen sind, aber für ein Fachbuch komplett ungeeignet und seltsam.

Aufs Huhn gekommen InnenansichtEin Kapitel, das mir zunächst Hoffnung gab, dass dieses Buch mehr als nur versucht anders zu sein, war das über das Huhn Quax, ein Hühnchen mit Behinderung. Zu meiner Enttäuschung ist das Kapitel sehr kurz und bietet nicht das, was ich mir erhofft hatte. Ich hatte darauf gebaut, dass sich Wiedenmann das traut anzusprechen, was eigentlich sonst niemand wirklich tut: Was tun bei einer Behinderung des Lieblingsgeflügels? Leider beschreibt Wiedenmann nur, dass sich Quax seltsam verhält und anfänglich ein paar Probleme bezüglich der Akzeptanz innerhalb der Familie hatte. Angemerkt sei hierbei, dass es dieses Problem nur von der menschlichen Seite der Familie gab.

Aufs Huhn gekommen RückseiteZu den anderen Kapitel ist zusagen, dass das Buch alles abhandelt, was alle anderen Einsteiger-Bücher auch behandeln, nur mit weniger Fachwissen und mehr Anekdoten Wiedenmanns über die eigenen Hühner. Von der Problematik mit verständnislosen Nachbarn und der Auswahl des richtigen Huhns über die Fütterung und Eier bis zur Verständigung der Hühner untereinander, sowie dem unausweichlichen Ende eines jeden Lebewesen, ist alles dabei.

Fazit:

Das Buch ist nett zu lesen, aber als Fachbuch ungeeignet. Einsteiger fangen mit diesem Buch allein sicherlich nichts an. Profis der Hühnerhaltung hingegen, werden sicherlich gelangweilt sein. Es scheint dieses Buch habe versucht auf freundschaftliche, familiäre Weise die Hühnerhaltung im Eigenheim jedermann nahe zu bringen, aber hätte dabei die Recherche außerhalb der eigenen Hühnerhaltung vergessen. Man hat das Gefühl nichts zu erfahren, was dem Autoren selbst nie passiert ist. Dieses Werk ist irgendwie etwas zwischen (biografischen) Roman und Fachbuch. Abschließend bleibt daher nur zu sagen, dass dieses mit lieben Anekdoten und zahlreichen Geschichten und Erfahrungsberichten gespickte Buch wohl eher etwas für Leseratten mit einer gewissen Affinität für Hühner ist.


Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Das Rezensionsexemplar wurde vom Verlag zur Verfügung gestellt.

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