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Buchrezensionen

Ach du dickes Ei!

Rezension zu „Ach du dickes Ei! Meine Kinder, die Hühner und ich“ von Katrin Sewerin

Hühner als neue Haustiere? Statt einem Hund? Ob das den Kindern gefällt? In ihrem Buch „Ach du dickes Ei!“ erzählt die Autorin und Tierärztin Katrin Sewerin auf unterhaltsame Weise von gefiederten und ungefiederten Familienmitgliedern, von Herausforderungen und außergewöhnlichen Momenten bei der Hühnerhaltung mit Familie. Wie der Untertitel „Eine Familiengeschichte“ schon andeutet, handelt es sich hier ausnahmsweise einmal nicht um ein Fachbuch im eigentlichen Sinn. Stattdessen würde ich dieses besondere Werk als Roman bezeichnen, bei dem spannende Informationen über Hühner ganz nebenbei geliefert werden.

Das macht „Ach du dickes Ei!“ zu einem amüsanten Lesespaß für alle, die eine nette Familiengeschichte lesen wollen und/oder sich für Hühnerhaltung interessieren. Im Besonderen empfehlen kann ich dieses Buch Eltern mit Kindern, die überlegen, sich in der Familie Hühner anzuschaffen. So viele hilfreiche und authentische Tipps zu diesem Thema finden sich sonst kaum so kompakt in einem Werk!

Worum geht es?

Neue Haustiere?

Wie die Autorin selbst in ihrem Nachwort meint, handelt es sich bei „Ach du dickes Ei!“ um eine Art autobiografische Geschichte. Katrin Sewerin ist Tierärztin in Niedersachsen mit einer Vorliebe für Hühner. Gemeinsam mit ihrem Mann Werner und den beiden Kindern Emma und Tom lebt sie auf dem Land auf einem alten Bauernhof. Ach ja, und dann gibt es noch den alten Pudel Nando. Der gehört aber genau genommen der Mutter, was die Kinder zum Anlass nehmen, sich eigene Tiere zu wünschen. – Ein weiterer Hund kommt für Katrin und Werner nicht infrage.

„Wenn wir Hühner vorschlagen, sagen die beiden sicher sowieso nein“, überlegen sich die Eltern und glauben, damit das Thema erst einmal aus der Welt zu schaffen. Aber wer hätte gedacht, dass Emma und Tom die Idee begeistert aufnehmen? Dass sie aufgeregt alles für die neuen gefiederten Freunde vorbereiten und fasziniert zum Züchter mitkommen? Die Autorin spricht aus eigener Erfahrung, wenn sie von den schönen Momenten, aber auch den Schwierigkeiten und Herausforderungen berichtet, die auf die Familie zukommen.

Eine besondere Hühnerherde

Mit viel Humor erzählt Katrin Sewerin von der Ankunft der vier gewählten Hühner: Wie die selbstbewusste Henni zur Chefin der Hühnerschar wird. Wie Isabella und Layla erstmals den Freilauf erkunden. Und wie der ängstliche Hahn Momo langsam zu einem richtigen Draufgänger wird. Die Leser*innen begleiten die Familie dabei, wie sich die Federtiere einleben, wie sie sich untereinander vertragen und auch, wenn es Streit gibt. Und zu Streitereien kommt es manchmal, ja, muss es kommen, nicht nur zwischen den Tieren, sondern auch zwischen den Menschen. Ab und zu gibt es auch traurige Momente, wenn der Hahn Emma angreift und daher umziehen muss. Oder wenn Abschied genommen werden muss von einer geliebten Henne, die von einem Greifvogel erwischt wurde.

Letztlich ist „Ach du dickes Ei!“ aber die Geschichte davon, wie die gefiederten Tiere einer Familie ans Herz wachsen, und zwar allen Familienmitgliedern, auch dem zuerst kritischen Werner. Es ist die Geschichte davon, wie wundervoll die Hühnerhaltung sein kann und wie viel Kinder und Erwachsene dabei lernen können. Denn schließlich gehört es auch dazu, die Tiere genau zu beobachten, ihre Verhaltensweisen kennenzulernen, ihr Vertrauen zu gewinnen und sie glücklich zu machen. Und das beginnt schon bei den ganz kleinen Küken, die rasend schnell die Herzen der gesamten Familie erobern!

Wer wird dieses Buch gerne lesen?

Leser*innen, die gerne mehr über die kleine Familie und den tierischen Nachwuchs erfahren und gleichzeitig spannende Informationen über Hühnerhaltung sammeln möchten, werden diesen Roman verschlingen. Ganz nebenbei geht die Autorin nämlich auf artgerechte Tierhaltung ein, auf Eigenschaften verschiedener Rassen, auf Brut- und Paarungsverhalten, Ursprünge des Haushuhns und viele weitere interessante Aspekte. Wenn Katrin Sewerin beispielsweise ihren Kindern erklärt, dass Hühner mit einer Gehirnhälfte schlafen und mit der anderen wach sein können, erfahren wir Leser*innen Neues über die Neurologie der Hühner. Dass die Autorin fachliches Wissen so raffiniert in die Geschichte einwebt, macht dieses Buch so erfrischend anders als manche Fachbücher. Denn hier lernen Leser*innen, während sie eine nette Geschichte lesen, und zwar so praxisorientiert, wie es ein Buch eben sein kann.

Mich persönlich hat an diesem Roman besonders begeistert, dass Sewerin nicht vereinfacht. Hühnerhaltung mit Familie ist eben nicht immer so leicht, wie das manchmal wirken mag. Nein, meist kann es sogar richtig schwierig werden. Was also tun, wenn der Hahn mit seiner aggressiven Art Ärger macht? Oder wenn die neue Henne nicht in der Herde akzeptiert wird? Oder wenn die Kinder um ein verstorbenes Huhn trauern? Die Autorin schildert auf einfühlsame Weise ihre eigenen Gedanken, Ängste und Erfahrungen. Und sie beschreibt, wie sich Probleme mit ein wenig Erfindungsreichtum auch auf unkonventionelle Weise lösen lassen, wenn die Familie zusammenhält.

Auf diese sehr authentische und kluge Art macht Sewerin das Familienleben mit Hühnern nachvollziehbar und zeigt, wie wunderschön die Hühnerhaltung sein kann, wenn sich alle darauf einlassen. Ich persönlich fand den Roman durch den lockeren und unterhaltsamen Stil angenehm zu lesen. Die Autorin schildert ihre Erlebnisse in Tagebuchform und mit einem feinen Humor, der mich oft schmunzeln ließ.

Gestaltung und Gliederung

Mit seinen 200 Seiten bietet dieser Roman eine große Portion Lesestoff, aber ich habe ihn fast von vorne bis hinten durchgelesen. Auf den ersten Blick wirkt „Ach du dickes Ei!“ vielleicht wie eine gewöhnliche Geschichte, aber sie ist außergewöhnlich liebenswert, sympathisch geschrieben und nebenbei noch lehrreich. Schon das Cover ist ansprechend gestaltet und zeigt die Hauptfiguren des Romans: Familie Sewerin und natürlich die Hühner. Durch das Taschenbuchformat lässt sich das Werk angenehm in der Hand halten und durchblättern. Ganz zu Beginn finden sich kleine Zeichnungen von vier Lieblingshühnern samt kurzer amüsanter Beschreibungen der Eigenschaften.

Gegliedert ist die Geschichte zudem in einzelne Kapitel mit lustigen Überschriften, beispielsweise „Germany’s next Top Chicken“, „Hahn im Wahn“ oder „Küken im Bett“. Diese einzelnen Abschnitte sind wie kleine Geschichten im Rahmen der größeren Erzählung angelegt. Daher lässt sich der Roman auch gut unterteilt lesen, außer, die Leser*innen können ihn wie ich nicht mehr aus der Hand legen.

Fazit

Abschließend kann ich eine klare Leseempfehlung für „Ach du dickes Ei!“ aussprechen. Die Kombination aus liebevoll erzählter Familiengeschichte und fachlichem Wissen macht diesen Roman zu einem außergewöhnlichen Buch. Gefallen wird es allen Leser*innen, die sich für Hühner begeistern oder selbst überlegen, für die Familie Hühner anzuschaffen. Der Fokus liegt hier außerdem stark darauf, zu zeigen, wie verschieden die gefiederten Tiere sind. Die Autorin betont, dass jedes Huhn einzigartig und intelligent ist und unsere Wertschätzung verdient. Gleichzeitig finden sich Überlegungen zu artgerechter Tierhaltung und viele Denkanstöße. Mir hat beispielsweise die Stelle gut gefallen, an der die kleine Tochter Emma beschließt, auf ihre heiß geliebten Chicken Nuggets zu verzichten, weil die Hühner aus Massentierhaltung stammen. Schließlich sind diese Tiere genauso Lebewesen wie wir und genauso können sie echte Familienmitglieder sein!

Titel: Ach du dickes Ei! – Meine Kinder, die Hühner und ich

Autorin: Katrin Sewerin

Auflage: 1. Auflage

Verlag: Knaur HC


Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Das Rezensionsexemplar wurde vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Von Melanie

Hallo! Mein Name ist Melanie und ich bin Studentin in Wien. Ich gehöre zu der Sorte Mensch, die es liebt, Neues zu lernen und Bücher verschlingt, anstatt sie nur einmal zu öffnen. Am liebsten sind das Bücher über Tiere und Natur – meine zweite große Leidenschaft neben dem Lesen. Ich stehe für eine artgerechte Tierhaltung und finde, jedes Geschöpf dieser Erde sollte wertgeschätzt werden, egal wie klein und unbedeutend es aussehen mag. Das meine ich übrigens wirklich so: Wenn ich einen Marienkäfer im Wasser finde oder eine Schnecke mitten auf der Straße, kann ich gar nicht anders, als die beiden schnell in Sicherheit zu bringen. So freut es mich ungemein, hier meine Liebe zur Natur und meine Begeisterung für die faszinierenden Hühner teilen zu können.